Presse    



Die Gehirnhälften bleiben locker          

Quelle: Westdeutsche Allgemeine Zeitung v. 09.11.2002   Hochschule

Der etwas andere Latein-Kurs: Die Studenten pauken, tanzen und singen
Von Denise Ludwig

Viele Studenten müssen sich während ihres Studiums mit dem Latinum abquälen.
Doch während in den meisten Kursen stur Vokabeln und Grammatik gebüffelt wird, dürfen
Lateinschüler in Bochum tanzen und singen.
Statt auf konventionelle Art lateinische Vokabeln und klassische Konstruktionen zu
lernen, wird am Collegium Germanicum in Bochum gesungen, getanzt und entspannt.
Und nach rund sechs Wochen hat man sein Latinum in der Tasche. Wie das funktionieren soll?
Suggestopädie heißt das Zauberwort.
Für viele Studienfächer verlangen die Universitäten das Latinum, manchmal vor Studienbeginn, manchmal erst zur Zwischen- oder Abschlussprüfung. Davon sind beispielsweise viele Lehramtsfächer betroffen wie Deutsch, Englisch, Romanistik, Geschichte oder Theologie. Aber auch Studienfächer wie Kunstgeschichte, Philosophie, Archäologie, Musikwissenschaft, Komparatistik,Islamwissenschaft, Amerikanistik, Ungaristik, Slawistik, vergleichende Religionswissenschaft und viele mehr verlangen Kenntnisse der klassischen, toten Sprache.
Zum einen gibt es an verschiedenen Universitäten die Möglichkeit, einen dreisemestrigen Kurs zu besuchen. Viele Studenten wählen diese kostenlose Möglichkeit -und viele scheitern daran.
Zum anderen gibt es das Institut Collegium Germanicum mit Sitz in Bochum.
Das Zentrum für kreatives Sprachtraining arbeitet bereits seit 1976. Es bietet im Frühjahr und Sommer jeweils Intensivkurse für Latein, aber auch für moderne Fremdsprachen an.
Institutsleiter Gerd Romahn beruft sich dabei erfolgreich auf die so genannte Superlearning-Methode - Lernen mit Kopf, Hand und Bauch. Wie geht das?
Der Latein-Kurs beginnt um Punkt neun Uhr mit einem Centering: eine kurze Entspannung zur
Einstimmung auf den folgenden Stoff. In Block II werden Texte übersetzt, Satzstrukturen analysiert. Immer wieder zur Auflockerung und Aktivierung beider Gehirnhälften absolvieren Dozent und Teilnehmer leichte gymnastische Übungen.
Um grammatikalische Phänomene besser zu verstehen und im Langzeitgedächtnis zu speichern, werden Lieder - bekannte Melodien mit neuen Texten - gesungen und Geschichten erzählt.
Mit Musik geht alles besser, weiß Kurs-Leiterin Dr. Annette Rink. Daher gibt es vor der Mittagspause ein aktives Lernkonzert, wobei der Lehrer den Stoff des Vormittags bei klassischer Musik rekapituliert - die Klänge sollen sich besonders positiv auf die Gehirnströme auswirken.
Nach der Mittagspause versammelt sich der Kurs auf der Tanzfläche, denn auch mit Bewegung geht alles besser, so Rink. Bei einfachen Schrittkombinationen sprechen die Studenten Vokabeln nach. Zudem beugt die Bewegung der nachmittäglichen Müdigkeit vor. Weiter geht es mit Grammatik und Texten. Eine halbe Stunde vor Kursende (18 Uhr) steht das passive Lernkonzert auf dem Programm:
Die Studenten legen oder setzen sich in eine gemütliche Position, entspannen sich, während der Leiter den Stoff des Tages noch einmal wiederholt. Damit soll das Erlernte ins Unterbewusste aufgenommen und so im Langzeitgedächtnis gespeichert werden.
Es scheint zu wirken, schließlich besteht ein Großteil der Teilnehmer die anspruchsvolle Abschlussprüfung im ersten Versuch.
Neben den sechs- bzw. vierwöchigen Lateinkursen ( Kosten bis 950 Euro) bietetdas Collegium Germanicum zweiwöchige Sprachkurse für Studenten in Spanisch, Englisch und Business-Englisch an.


 Campus & Karriere | 12.3.2002 Deutschlandfunk

In Rekordzeit zum Latinum

Latein-Crash-Kurs des Instituts Collegium Germanicum in Bochum

Auch wenn die Diskussion über den Sinn oder Unsinn von Latein noch lange nicht ausgestanden ist, für viele Fächer ist das Latinum einfach Voraussetzung. Wer also Germanistik, Romanistik, Geschichte oder Theologie studieren möchte, muss - meist bis zur Zwischenprüfung - das Latinum nachweisen. Anstatt semesterlang Vokabeln und Grammatik an der Uni zu büffeln, können Studierende am Collegium Germanicum in Bochum bei klassischer Musik und Tanz Latein lernen. Die Lernmethode heißt Suggestopädie und das Verblüffende daran: Die meisten bestehen die Prüfung.

Als erster deutscher Anbieter unterrichtet das Collegium Germanicum seit 1982 mit Hilfe der Suggestopädie-Sprachkurse. Möglichst abwechslungsreiche Lernmethoden sollen den Studierenden das Lernen erleichtern. Damit das Gedächtnis locker bleibt, keine Ermüdung aufkommt und die Konzentration nicht verloren geht, singen die Kursteilnehmer beispielsweise immer wieder bekannte Melodien mit lateinischen Texten. Kursleiterin Gesine Bechtloff weiß aus Erfahrung, dass die Texte spätestens nach einer Woche sitzen. Sprichwörtlich "im Schlaf" kann man sie dann vorbeten. In einem nächsten Schritt wird dann zu den Texten getanzt. Im Rhythmus zur Musik werden anfänglich einfache Schritte gemacht, die sich bei vielen Teilnehmern immer mehr verselbstständigen. Auch hier spricht Kursleiterin Bechtloff lateinische Formeln vor, die sich besser einprägen sollen. Auch der theoretische Unterricht kommt nicht zu kurz, doch sind acht Stunden Latein pro Tag mit den entsprechenden Auflockerungen für alle Beteiligten besser zu ertragen. Eine halbe Stunde vor Kursende legen oder setzen sich die Studierenden in eine gemütliche Position, während die Kursleiterin den Tagesstoff zu Barockmusik langsam wiederholt.

Bereits nach sechs Wochen ist der Crash-Kurs, der 950 Euro kostet, beendet. Die wenigen, die den Kurs nicht schaffen oder nicht zur Prüfung angetreten sind, können einen vierwöchigen Wiederholungskurs für 320 Euro belegen. Die Kurse finden jeweils in den Semesterferien von Mitte Februar bis Ende März und von Mitte August bis Ende September statt. Eine Anmeldung vier bis fünf Monate vor Kursbeginn ist ratsam.